Liebe auf den ersten Blick

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Liebe auf den ersten Blick

Ziemlich genau vier Jahre ist es jetzt her.

Kurt hatte damals das Inserat für „Urlaub gegen Hand“ entdeckt und immer wieder zu mir gesagt:

„Jetzt bewirb dich doch! "Jetzt schreib endlich!“

Und so stand ich am 16. August 2022 zum ersten Mal auf der Norrsken Lodge bei Mäx und Yasmine Hensler und ihren beiden Kindern Janne und Kimi in Övertorneå.

Und was soll ich sagen?

Ich war vom allerersten Moment an über beide Ohren in diesen Ort verliebt.

Es war genau die Auszeit, nach der ich mich schon jahrelang gesehnt hatte: einmal ganz allein in den Norden, Zeit nur für mich, raus aus dem Alltag und einfach bewusst zurückziehen.

Eine kurze WhatsApp am Morgen, eines am Abend und während der ganzen neun Wochen vielleicht drei oder vier Telefonate nach Hause.

Mehr nicht.

Genau so, wie ich es mir immer erträumt hatte.

Die Lodge liegt einfach traumhaft – wunderschön direkt am Fluss und ganz nah am Polarkreis. Mit dem Auto ist man in gerade einmal sieben bis zehn Minuten an der finnischen Grenze. Und zu Fuß führt ein wunderschöner Weg direkt zur bekannten Brücke hinüber nach Finnland.

Die Anlage ist riesig. Damit trotzdem alle den Überblick behielten, waren Mäx und wir Volunteers über eine WhatsApp-Gruppe miteinander verbunden.

„Bin in Stuga 30.“

„Bettwäsche im Hotel wechseln.“

„Bin am Rasenmähen.“

„Bin am Streichen.“

Und so gab es eigentlich immer etwas zu tun.

Die Stugas bekamen ihren frischen Anstrich im klassischen Schwedenrot, die WC-Häuschen wurden auf Vordermann gebracht und wir machten jede Menge Holz für den kommenden Winter.

Besonders viel Zeit verbrachte ich allerdings in der Küche.

Ich weiß noch genau, wie aufgeregt ich war, als ich dort zum ersten Mal völlig unerwartet am Herd stand.

Hilfe – ein Profi-Steamer!

Ich hatte vorher noch nie im Leben auch nur einen Finger an so ein Gerät gelegt.

Meine persönliche Feuerprobe?

Selbstgemachte Cordon bleus.

Und die kamen tatsächlich so gut an, dass sie mir direkt den Durchbruch verschafften. Von da an gehörte ich ganz offiziell zum Küchenteam.

Meistens stand Mäx selbst am Herd – und seine Rentierfilets sind einfach sensationell und seine Spaghetti Cinque P so unglaublich lecker! – Aber das gemeinsame Kochen mit ihm hat unglaublich viel Spaß gemacht. Ich konnte mir unheimlich viel von ihm abschauen.

Und auch in meiner Freizeit durfte ich nach Herzenslust kochen und backen. So fühlte ich mich dort unglaublich schnell wie zu Hause.

Wobei es in der Küche natürlich nicht immer ganz so ruhig zuging. Wenn es einmal richtig rund lief, flogen schon mal die Hamburger-Brötchen durch die Gegend.

Nach zwei oder drei Wochen reisten die meisten Helfer wieder ab. Aus der großen Gruppe wurden erst vier, dann drei.

Und die letzten zwei Wochen waren wir schließlich nur noch zu zweit. Da war echte Frauenpower angesagt!

Neben all der Arbeit blieb aber auch unglaublich viel Raum für unvergessliche Ausflüge und magische Momente.

In dieser Herbstzeit durfte ich erleben, wie hunderte Rentiere in riesigen Herden zusammengetrieben wurden, um ihren Weg zurück zu ihren Besitzern anzutreten.

Ein überwältigender Anblick.

Und dann waren da die Nordlichter.

Noch bei angenehm milden Temperaturen durfte ich dieses unglaubliche Naturschauspiel erleben. Als starke Polarlichter angekündigt waren, bin ich ganz allein nach draußen gegangen.

Mitten hinein in die Dunkelheit.

Nur das kleine Licht meines Natels.

Und über mir der Himmel.

Dieses Gefühl von Freiheit, Ruhe und völliger Verbundenheit mit der Natur kann man kaum in Worte fassen.

Wir brachten die Weihnachtsbeleuchtung an, obwohl Weihnachten noch weit entfernt war, genossen die immer früher einsetzende Dunkelheit und ließen einfach die Seele baumeln.

Und natürlich gab es noch so vieles mehr: kleine Abenteuer zwischendurch, wunderschöne Ausflüge, Begegnungen, gemeinsames Lachen, gemütliche Abende, neue Freundschaften und unzählige kleine Momente, die sich bis heute in meinem Herzen festgesetzt haben.

Ich könnte wahrscheinlich noch Stunden erzählen – oder ganze Seiten füllen – über diese neun Wochen.

So viele Geschichten, so viele Erinnerungen, so viele Menschen und so viele besondere Augenblicke.

Aber manche Erlebnisse muss man vielleicht gar nicht alle in Worte packen.

Manche trägt man einfach mit sich.

Ganze neun wunderschöne Wochen durfte ich damals dort verbringen.

Neun Wochen voller Arbeit, Abenteuer, Natur, unglaublichen Erlebnisse, wertvollen Begegnungen und vor allem Menschen, aus denen echte Freundschaften entstanden sind.

Freundschaften, die bis heute bestehen und mir unglaublich viel bedeuten.

Aber lange hielt ich es zu Hause gar nicht aus.

Nachdem die neun Wochen im Oktober zu Ende gegangen waren, zog es mich bereits im darauffolgenden Januar wieder zurück.

Diesmal mitten im tiefsten Winter.

Fast drei Wochen bei -38 Grad.

Ich werde nie vergessen, wie ich in Luleå aus dem Flughafengebäude trat und mir beim ersten Atemzug fast die Luft wegblieb.

Eine Kälte, die man nie wieder vergisst.

Und heute?

Heute, am 24. August 2026, bin ich wieder hier.

Mittlerweile wahrscheinlich schon zum achten Mal.

Ich habe diesen magischen Ort im tiefsten Winter erlebt, im farbenprächtigen Herbst und unter der strahlenden Mitternachtssonne.

Ich kenne ihn in fast jeder Jahreszeit.

Und trotzdem fühlt es sich jedes Mal wieder ein bisschen so an, als würde ich nach Hause kommen.

Denn jedes Mal, wenn ich im Norden bin, gehört dieser Platz einfach dazu.

Vielleicht ist es genau das, was man Liebe auf den ersten Blick nennt.

Manchmal begegnet man einem Ort – und irgendetwas in einem sagt einfach:

Hier gehöre ich hin.

Und deshalb könnt ihr euch sicher vorstellen:

Wenn ich heute auf die Norrsken Lodge komme, gibt es mittlerweile eine Tradition, an der einfach kein Weg vorbeiführt …

Cordon bleus!

Denn manche Liebesgeschichten beginnen eben nicht mit einem Menschen.

Manchmal beginnen sie an einem Ort.

Und meine begann am 16. August 2022 auf der Norrsken Lodge in Övertorneå.

Und irgendwie habe ich das Gefühl, dass diese Liebesgeschichte noch lange nicht zu Ende ist.

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